Beim Jahreskonzert der Stadtkapelle Wiesloch wurde eine gelungene Mischung aus Beschwingtheit und anspruchsvollen Werken präsentiert. Etwa 300 Gäste hatten sich im Staufersaal des Palatins eingefunden, um sowohl der Jugendstadtkapelle als auch der „großen“ Stadtkapelle zu lauschen. Unter der Leitung des Dirigenten Harald Weber wurde die gesamte Bandbreite der orchestralen Blasmusik geboten. Die Vorsitzende Michaela Maurer bedankte sich bei der Begrüßung vor allem bei den verantwortlichen des Palatins. „Wir haben hier während der Pandemie proben können und sind seit Januar fleißig dabei gewesen, uns auf den heutigen Abend vorzubereiten.“ Eine symbolische Verbeugung gab es auch an den anwesenden Oberbürgermeister Dirk Elkemann. Von der Stadt sei ebenfalls optimal geholfen worden.

Den musikalischen Auftakt übernahm die Jugendstadtkapelle. Eindringliches wurde aufgeführt, verliebte, gar leise Töne bei der Interpretation des Songs „Perfect“ von Ed Sheeran zu Gehör gebracht. Wild und ungestüm, von dramatischen Elementen geprägt, war „A Little Suite of Horror“, aus der Feder des Österreichers Thomas Doss stammend. Vampire, die einen Hauch des Schreckens verbreiteten, huschten akustisch durch den Saal, Skelette und Zombies, mit Marschmusik begleitet, sollten folgen. Die britische Popikone Adele bildete einen weiteren Höhepunkt in dem Programm des Nachwuchsorchesters, wurde doch ein kleiner Querschnitt ihrer Hits vorgestellt. Der lange Beifall belohnte die Jugendlichen.

Bei der Stadtkapelle selbst ging es dann um eine Art Probelauf. Denn die beiden Werke „Variations on a Bach Chorale“ und auch „Saga Candida“ werden in den kommenden Tagen bei einem Wertungsspiel, an dem die Stadtkapelle teilnehmen wird, zur Aufführung gebracht. „Es ist für uns eine Art Generalprobe“, so das Orchestermitglied Sandra Goldschmidt bei der Anmoderation. Man wolle mal testen, wie und ob man damit beim Publikum ankomme. Besonders bei dem dunkelsten Kapitel des Mittelalters, der Hexenjagd (Saga Candida). Die Tour durch das qualvolle Leid in jener Zeit wurde dank der Instrumentenvielfalt eindringlich, mit hohem Tempo und diverser Klangvariationen in sieben Etappen aufgeführt, um zum Finale hin mit leisen Tönen, fast entschuldigend für das angetane Ungemach gegenüber den „Hexen“, sanft auszuklingen. Die Bach-Variationen – hier hatte man das Werk von Jack Stamp ausgewählt – war von hoher Komplexität gekennzeichnet. Die vier Sätze beinhalteten Verspieltes, einige Soli, und einen Melodienreigen. Das Fazit: Der Beifall bewies, die getroffene Auswahl für das anstehende Wertungsspiel konnte sich hören lassen und alle drücken die Daumen für ein erfolgreiches Abschneiden beim Wettbewerb.

War der erste Teil noch geprägt von einem Querschnitt der Gefühle, sollte es im weiteren Verlauf des Abends flott und mit bekannten Weisen weitergehen. Los ging es mit „Showdown for Band“, komponiert vom Schweizer Gilbert Tinner. Eine Erweiterung kam mit der Sängerin Adele Drewer, die Musical-Melodien unter anderem von Cole Porter mit klarer, ausgeprägter Stimme vortrug. Zum Ende hin stand ein Ausflug an den Wolfgangsee in Österreich an. Beim „Zum weißen Rössl“, von Ralph Benatzky, bereits 1930 komponiert, später verfilmt, wurde Ohrenschmaus in Reinkultur von der Stadtkapelle rübergebracht. Ohne Zugabe ging es nicht von der Bühne. Diese wurde erstmals bei einem Konzert der Stadtkapelle in voller Größe, also in der verlängerten Variante, genutzt. „Darüber freuen wir uns besonders, ist uns doch das Palatin entgegengekommen. Früher hätten wir uns das nicht leisten können“, meinte Michaela Maurer.

Aber es war nicht nur die Musik, die beim Jahreskonzert im Rampenlicht stand. In der Pause wurden verdiente aktive und passive Mitglieder geehrt. Bereit seit 60 Jahren mit dabei sind Klaus Adam und Horst Kummerow. Sie erhielten von Andreas Sturm, dem Vorsitzenden des Blasmusikverbands Rhein-Neckar, die Ehrennadel in Gold mit Diamanten. Seit einem halben Jahrhundert ist Thomas Hammer mit dabei und für 40 Jahre Zugehörigkeit wurden Christine Waibel und Christine Werner ausgezeichnet. Andrea Pecht, Melanie Kummerow und Fernando Moroni spielen seit 30 Jahren aktiv mit im Ensemble. Seit 20 Jahren halten Nadine Gärtner und Robert Bönisch der Stadtkapelle die Treue, seit zehn Jahren sind Leonie Fiala, Max Förderer und Simon Luxem mit dabei. Die Vorsitzende Maurer übernahm es dann, die passiven Mitglieder zu beglückwünschen. Georg Adam ist seit 60 Jahren Unterstützer, auf 50 Jahre kommen Herbert Müller und Karl-Robert Ostertag.

Artikel aus RNZ vom 12.05.2022 von Hans Dieter-Siegfried

Foto: Pfeifer