Jazzbandkapelle WieslochIm ersten Beitrag zur Geschichte der Stadtkapelle Wiesloch wurden die Jahre von der Gründung bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges geschildert. Die Serie wird heute fortgesetzt mit den Jahren bis zum 60jährigen Jubiläum 1956.

Dem dynamischen Aufstreben der noch jungen Stadtkapelle wurde jedoch durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges Einhalt geboten.

Einer der besten Musiker, Raimund Bride kehrte nicht mehr heim. Der Aufbau der Kapelle gestaltete sich sehr schwierig. Die erste Etappe auf diesem überaus schweren Weg bildete die im Jahre 1919 neu formierte Jugendkapelle (hier taucht in der Chronik dieser Begriff erstmals auf) aus welcher später im Wesentlichen die Kräfte für die Stadtkapelle stammten.

Ludwig Diefenbacher übernahmen die Leitung von seinem Vater Abraham. Georg Klaus übernahm auch die Geschäftsführung der Kapelle. Die Stadtkapelle wirkte wohl des Öfteren bei Fahnenweihen und Tanzvergnügen mit, kam aber über den Rahmen dieser kleineren Veranstaltungen nicht hinaus. Begrüßenswert war daher die durch die Stadtverwaltung gewährte Unterstützung von jährlich 300 Reichsmark nach dem ersten Weltkrieg und 1000 Reichsmark in den Jahren nach 1933.  Zu erwähnen ist noch die durch eine „Stiftung“ von Dr. med. Robert Sütterlin ermöglichte einheitliche Einkleidung der Kapelle. Im Jahr 1934 wurde Musiklehrer Leutz mit der Leitung der Stadtkapelle beauftragt und führte mit Geschäftsführer Georg Klaus die musikalischen Proben bis zum Jahr 1939 durch.

Zur Stadtkapelle gehörte in den zwanziger Jahren bis zum Jahr 1933 auch eine kleine „Jazzbandkapelle Wiesloch“, die, wie aus dem nachstehenden Bild zu ersehen ist, am 12.8.1929 zur Kirchweih aufspielte.

Auch bei der Gestaltung des Winzerfestes spielte die Stadtkapelle Wiesloch von Anbeginn eine bedeutende Rolle. Die Stadtkapelle war für die musikalische Umrahmung des Festes, das seinen Beginn auf der sogenannten Tuchbleiche (heute Standort des Kulturzentrums PALATIN) hatte, verantwortlich. Die Tanzmusik auf diesem Fest wurde dabei, wie das so üblich war, durch den Verkauf von „Tanzbändeln“ finanziert. Die Musiker verkauften dabei an die Paare Stoffbändchen mit denen dann die Tanzbühne benutzt werden durfte.

Stadtkapelle beim Winzerfest auf der Tuchbleiche am 12.9.1936

Der zweite Weltkrieg brachte der Stadtkapelle große Verluste, denn fünf Musiker mussten in diesem Krieg ihr Leben lassen.

Nach dem Kriege waren es dann im Jahr 1946 die Musiker Karl Zirkel, Waldemar Gros, Karl Östringer und  Damian Zuber die eine kleine Unterhaltungskapelle gründeten und bei verschiedenen Vereinsveranstaltungen bis zum Jahr 1948 aufspielten. An diese fünf Musiker werden sich die älteren Wiesloch und damaligen Freunde der Stadtkapelle wohl noch heute erinnern? Im Jahr 1948 wirkte die Stadtkapelle erstmals mit 8 Musikern beim Sommertagszug des Verkehrsvereins in Wiesloch mit.

Stadtkapelle zu Beginn der fünfziger JahreIm vorstehenden Bild von einem Festzug zu Beginn der 50er Jahre sind vorne links Heinz Bongards, Posaune,  in der 2. Reihe August Burschik, Horn, sowie in der 3. Reihe Karl Östringer, Wilhelm Zuber, Heinz Mayer und Josef Wilhelm (Stolle Seppl) gut zu erkennen. Ebenso Waldemar Gros der die kleine Marschtrommel schlägt.

Durch die Mitwirkung von verschiedenen Militärmusikern und durch die Integration von interessierten Jungmusikern wie z.B. Erich Bönisch, Werner Erzinger, Gerhard Hecker, Heinz Mayer und Kurt Oppl entstand unter der Leitung von Ludwig Gräf eine Kapelle mit Niveau und besonderer Beliebtheit auch über die Grenzen der Stadt Wiesloch hinaus. Größere Veranstaltungen wurden besucht, bei denen mancher Preis für gute Leistungen erzielt wurde.

Stadtkapelle Wiesloch im Jahr 1952Auf dem vorstehenden Bild können ehemalige und aktuelle Freunde der Stadtkapelle Wiesloch noch einige Musiker erkennen, die bis vor einigen Jahren noch aktiv in der Stadtkapelle tätig waren. Zum Beispiel in der letzten Reihe von rechts  Heinz Mayer und Erich Bönisch und ganz links Kurt Oppl. In der zweiten Reihe 3. v. l. ist Gerhard Hecker und neben ihm der ehemalige Vorstand Karl Ullrich zu sehen. Der spätere Dirigent Friedrich Metz steht mit der Tuba in der 1. Reihe links und mit dem Taktstock in der Mitte ist Ludwig Gräf zu finden. Alte Wiesloch werden darüber hinaus auch noch sonst manch andere verdiente Musiker erkennen?

Im Jahr 1952 siedelte der aus dem Saarland stammende Ludwig Gräf wieder in seine Heimat und übergab die Leitung der Stadtkapelle an Friedrich Metz ab. Anekdote am Rande; Ludwig Gräf war ein meisterhafter Schütze und war mit dem Kleinkalibergewehr Teil der Olympiamannschaft des Saarlandes bei der Olympiade 1952 in Helsinki.

Friedrich Metz war ein aus Wiesloch stammender ehemaliger Militärmusiker der aber nach einer Kriegsverletzung sein Instrument, die Klarinette, nicht mehr spielen konnte und dann auf die Tuba umschulte. Friedrich Metz hatte als Militärmusiker, wie vor ihm auch Ludwig Gräf, die Befähigung ein solches Orchester zu leiten. Im Jahr 1956 wurde im Rahmen eines Musikfestes unter der Geschäftsführung von Josef Wilhelm das 60jährige Bestehen der Stadtkapelle Wiesloch gefeiert.

Das Festbuch und die Pressenotizen aus dem Jahr 1956 geben Zeugnis von einer Werbung für die Deutsche Volksmusik durch die Stadtkapelle und die befreundeten Musikkapellen.

60 Jahre Stadtkapelle: Jubelverein mit Ehrenmitglieder und FestdamenDas Jubiläumsfest im Jahr 1956 gab auch den Anstoß zur Gründung eines Musikvereins in Wiesloch, der die Belange der Stadtkapelle unterstützen und vertreten sollte. Am 15. Februar 1957 fand im Hotel Pfalz die Gründung des Musikvereins Stadt- und Feuerwehrkapelle Wiesloch statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Roland Thome gewählt.

Dirigent Friedrich Metz führte ab 1956 die kursmäßige Ausbildung von Jugendlichen nach einem Konzept des Heidelberger Musikpädagogen Fritz Hekler durch und ermöglichte so sehr vielen jungen Menschen den Zugang zur Blas- und Volksmusik.

Fortsetzung folgt. (hkw)