Am Freitag, 1. Januar 2021 feiert eine der ältesten Musikinstitutionen in der Weinstadt Wiesloch ihren 125-jährigen Geburtstag. Die Stadtkapelle Wiesloch wollte dieses Geburtstagsjahr eigentlich mit einem Neujahrsempfang beginnen. Aber das leidige Virus Corona hat, wie in allen Lebensbereichen, auch hier eine Durchführung unmöglich gemacht.  

Um das Ereignis trotzdem der Öffentlichkeit näher zu bringen, beginnen wir heute eine kleine Serie über die nunmehr historische Entwicklung dieses „Kulturträgers Nummer 1 in der Weinstadt“, wie dies der ehemalige Oberbürgermeister Bettinger einmal formuliert hat.

Ein Blick in die Chronik der Stadtkapelle Wiesloch zeigt uns, dass am Neujahrstag des Jahres 1896, es war an einem Mittwoch, beim Wintervergnügen der Freiwilligen Feuerwehr Wiesloch die Stadtkapelle Wiesloch von 7 Wieslocher Musikern begründet wurde.

Bereits ein Jahr zuvor, im Jahre 1895 hatten sich in Wiesloch einige Musikliebhaber zusammengetan, um in kleiner Gemeinschaft die Volksmusik zu pflegen.
Dies waren: Franz Zirkel, Adam Zirkel, Hyronimus Götz, Raimund Bride, Josef Reinhard, Christian Wagner und Georg Klaus.

Im Spätjahr 1895 übernahm Abraham Diefenbacher die Leitung der Musikgruppe. Unermüdliche Arbeit musste geleistet werden bis endlich die ersten öffentlichen Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. Anlässlich der Mitwirkung beim Wintervergnügen der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wiesloch am Neujahrstag 1896 wurde von den vorgenannten Musikern die Stadtkapelle Wiesloch gegründet. Aus diesem Anlass stellte die Stadtverwaltung Wiesloch erstmals einen Betrag zur Anschaffung notwendiger Instrumente zur Verfügung.

Dies waren, nach dem Eintrag im Kassenbuch der Stadt Wiesloch 150 Reichsmark die „an Abraham Diefenbacher Unterstützung der Stadtkapelle zur Beschaffung der Musikinstrumente“ ausbezahlt wurden.

Mit der Gründung vergrößerte sich auch die Mitgliederzahl. Wie aus dem Mitgliederverzeichnis zu ersehen ist, traten weitere 8 Musiker der Kapelle bei.

Musiker auf einer Bühne (vermutlich im Saal des Gasthauses „Zur Pfalz“) (etwa 1920)

Diese Vergrößerung wirkte sich auf die Leistungsstärke der Kapelle sehr gut aus, wie aus alten Schriftstücken zu ersehen ist. An den Geburtstagen des Kaisers Wilhelm II. und des Großherzoges Friedrich I. gab die Stadtkapelle größere Konzerte. Nach einem ebenfalls vorliegenden Kassenbuchausdruck der Stadt Wiesloch aus dem Jahr 1896 wurden „für Musizieren z. Geburtstagsfeste des Deutschen Kaisers am 27. Januar 1896 120 Mark“ und „für Musizieren zum Geburtstagsfeste des Grossherzogs, am 9. Sept. 1896 80 Mark“ an Abraham Diefenbacher ausgezahlt. Die Musik für den Kaiser war damit „mehr Wert“ als die für den „Großherzog“

Weiterhin wurden in der Gerbersruhe alljährlich 6-10 Promenadenkonzerte veranstaltet, welche die Kapelle besonders hier äußerst beliebt machten.

Festumzug (vermutlich ein Sängerfest) in der Altwieslocher Straße (etwa 1920)

 

Dem Aufstreben der Stadtkapelle wurde jedoch durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges Einhalt geboten.

 Fortsetzung folgt.

(hkw)