Das Heeresmusikkorps Ulm war wieder zu Gast

(kob). Wer die Strapazen einer militärischen Grundausbildung nicht scheut, als Musiker eines oder mehrere Instrumente hervorragend beherrscht, den nötigen Kameradschaftsgeist mitbringt, den Aufstieg in militärische Ränge schätzt und gerne Uniform trägt, der kann als Mitglied eines Musikkorps den offiziellen Anlässen bei Bund und Ländern den sehr erwünschten musikalischen Glanz verleihen, denn die Leiter der Musikkorps wissen zur richtigen Zeit den richtigen Ton zu treffen.

Das haben die vielen Auftritte dieser Gattung in Wiesloch bewiesen. Innovationswillig wie die Ensembles sind, sind sie noch nie beim Radetzkymarsch und ähnlichen historischen Paradestücken stehen geblieben, sondern halten das Ohr stets gerne an der Moderne.

Ebenso erstaunlich ist es, dass sich gerade das Mittelzentrum Wiesloch des Vorzugs würdig erweist, dass zum Beispiel das Heeresmusikkorps Ulm erklärtermaßen ausgesprochen gerne nach Baden und speziell zum 7. Mal nach Wiesloch zu einem Benefizkonzert erscheint. Überdies stammt der neue stellvertretende musikalische Leiter, Musikoffizier Dominik Koch, aus dem hiesigen Raum, ist Jahrgang 1983, hat breitgefächerte Dirigiererfahrung und gibt als Orchesterleiter eine ausgesprochen gute Figur ab. Was will man mehr! Der Stadt winkt in dieser Beziehung das große Glück und eine maßgebliche finanzielle Förderung der musikalischen Jugendarbeit. Dies ließ auch die von der Vorsitzenden Michaela Maurer vorgenommene Begrüßung der Mitwirkenden, Sponsoren und illustren Gäste wissen. Natürlich war der Staufersaal wieder voll besetzt und die Programmauswahl im Hinblick auf Wiesloch als Musikstadt ausgesprochen exquisit. So kam jeder auf seine Kosten: die Freunde kompositorischer Neuerungen und die der bewährten, immer aktuellen Ohrwürmer. Die Darbietungen waren angereichert mit mitreißenden solistischen Auftritten einzelner Orchestermitglieder, die verdeutlichten, welche musikalische Potenz in den einzelnen Instrumentalgruppen ruht. Durch das Programm führte mit souveränem Humor Stabsfeldwebel Thomas Schütte. In den Orchesterreihen ist man übrigens auf der Suche nach Klarinettisten-Nachwuchs.

Perfekte Auswahl getroffen
Den Auftakt bildete ein Präsentiermarsch von Hans Aboul. Die Musiker müssen dabei ja keine Waffen, sondern nur ihre „gut geölten“ und metallblitzenden Instrumente und Auszeichnungen zur ungeteilten Aufmerksamkeit der Zuschauer präsentieren.
Es folgte gleich das Hauptstück des Abends: „Excelsior“ von Rob Goorhuis, welches alle modernen Prüfungsraffinessen auskostet. Schon allein seinetwegen war der Abend ein hochbeachtlicher Erfolg. Marinella op. 215 eröffnete sodann den Charme des „Fin de siècle“ mit einer vornehmen Strandpromenade, komponiert von einem Schüler Antonin Dvořáks: Julius Fucik.
„How to train your dragon“, das dann folgte, ist ein Hochgenuss für alle Freunde „of celtic music“. Nach den maßgeblichen Eindrücken erscheint der Drache „very handsom“, denn er ist klein und zahnlos.
In der nach der Pause folgenden „Ouverture Allemande“ von Thomas Doss kann man, wenn man will, eine gelungene facettentreiche musikalische Beschreibung unserer süddeutschen Wesensart sehen. Sie ist eigens für Blasorchester geschrieben und daher sehr unmittelbar zugänglich. Zu Alexis Emmanuel Chabriers Espagna-Rhapsodie für Orchester von 1883 gäbe es einiges über die Zuneigung französicher Komponisten zu iberischem Temparament zu sagen. Hier gilt, dass das Werk trotz des Alters nach wie vor einen aufmunternden Dauerbrenner für alle Musikfreunde darstellt
Die Solistin Kim Hoffmann sang sodann „One Day I‘ll fly away“ aus „Moulin Rouge“ und „ Oh, when the saints“. Ihre Kunst liegt darin, dass sie zwischen sängerischer Hingabe an die Texte, deren Tradition und der ausgewogenen musikalischen Gestaltung genau das richtige Maß einhält.
In der Reihe „Kinder, was für Lieder“, in welchem es viele Melodien zu erraten gab, waren die „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ am leichtesten zu erkennen, denn dabei wurde endlich auch das auf der Bühne stehende große Instrument bemüht. So endete der offizielle Teil des Konzerts beinahe kindgerecht. In zwei Jahren werden sie wiederkommen, die Ulmer. Das ist versprochen. Michaela Maurer dankte allen Beteiligten für ihr Kommen und den Organisatorinnen und allen Spendern für ihren gelungenen Einsatz. Auch freute sie sich auf die weiteren Proben mit Orchestermitglied Harald Weber, dessen Militärzeit demnächst endet. Im Rahmen der Zugaben sang man gemeinsam das Badnerlied und die Deutschlandhymne mit Orchesterbegleitung.

Artikel der Wieslocher Woche Nr. 48 vom 28. November 2019
Fotos: Helmut Pfeifer