Heeresmusikkorps Ulm mit einem begeisternden Auftritt im Palatin – Debüt von Dominik Koch, Abschied für Harald Weber

Wiesloch. (hds) Michaela Maurer, die Vorsitzende der Stadtkapelle, konnte zum Konzert des Heeresmusikkorps Ulm ein „volles Haus“ begrüßen. Zum siebten Konzert des Orchesters in der Weinstadt, dessen Erlös an die Jugendarbeit der Stadtkapelle fließt, waren 700 Besucher gekommen. Die von Michaela Maurer an gekündigte „sinfonische Reise in höchster Qualität“ sollte keine Worthülse bleiben und am Ende gab es stehende Ovationen für ein perfektes Klangerlebnis. Hauptmann Dominik Koch, der in Mühlhausen wohnt,

feierte dabei sein Debüt am Dirigentenpult, während es für Harald Weber der letzte Auftritt in Uniform mit seiner Trompete in der Region war, geht er doch im März 2020 in Ruhestand (die RNZ berichtete).

Mit einem Marsch gab es einen kraftvollen Einstieg in den unterhaltsamen Abend und Koch erwies sich als „Neuling“ beim Heeresmusikkorps – er trat erst im Oktober in die Bundeswehr ein – als Meister seines Fachs. Vom Moderator des Abends, Stabsfeldwebel Thomas Schütte, wurde er in Anspielung auf seinen Namen als „Chefkoch, der alles zusammen führt und die richtigen Gewürze benutzt“, vorgestellt. Einen ersten Höhepunkt bot „Excelsior“, aus der Feder des Niederländers Rob Goorhuis stammend. Das anspruchsvolle Stück, eigens für einen Wettbewerb für Blasorchester arrangiert, erklang mal schmeichelnd, wurde von aufbrausenden Elementen unterbrochen, um dann wieder filigran und sanft dahinzugleiten. Erst dominierten die Klarinetten, dann die Posaunen, zum Schluss hin entfaltete das Heeresmusikkorps seine perfekte Wucht.

Dann entführten Dominik Koch und seine Musiker die begeisterten Gäste auf einen „Spaziergang ans Meer“. Die Ouvertüre zu „Marinella“ stand an. Der Komponist Julius Fucik, ein Schüler Antonin Dvoráks, beschreibt in diesem Werk den Ausflug besagter Marinella auf einer Strandpromenade und vereint alle Eindrücke in liebreizender Weise. Musik aus Kneipen und Bars wird eingebunden, unterbrochen von zärtlichen Phasen des Genießens beim Flanieren, durchsetzt mit einem Hauch von Melancholie. Tempowechsel und die Feinfühligkeit der Akteure auf der Bühne ließen Marinella fast gleitend ihren Spaziergang absolvieren.

Noch vor der Pause folgte ein weiterer Höhepunkt. Das sinfonische Porträt „How to train a Dragon“, die mehrfach ausgezeichnete Filmmusik des Streifens „Drachenzähmen leicht gemacht“, erzählt die Geschichte des kleinen Wikingers Hicks und seine Freundschaft zum Drachen „Ohnezahn“. Die schwankenden Gefühlswelten des Jungen wurden vom Heeresmusikkorps variantenreich dargeboten, der tosende Beifall war der Lohn für die gekonnte Umsetzung.

Mit der Gesangssolistin Kim Hofmann, die in ihrem roten Kleid einen bunten Farbtupfer ins Einheitsgrau des Korps brachte, stieg die Stimmung nochmals an. Vor allem mit ihrer Interpretation des Klassikers „When the Saints go marching in“ zog die zierliche Sängerin das Publikum in ihren Bann. Mit „One Day I’ll fly away“ aus „Moulin Rouge“ gelang es ihr, enttäuschte Liebe auf dramatische Art und Weise gesanglich zu interpretieren.

Zuvor hatte das Orchester Ausflüge durch Europa unternommen. Bei der „Ouverture Allemande“ des Österreichers Thomas Doss fühlte man sich phasenweise in ein Heldenepos versetzt, inhaltlich will der Komponist den europäischen Gedanken zum Ausdruck bringen. „España“ brachte einen Abstecher auf die iberische Halbinsel. Der Franzose Emanuel Chabrier vereint in diesem Stück Elemente aus spanischen Tänzen und Folklore, das Orchester weckte mit gekonnten Rhythmuswechseln Fernweh im Saal aus. Dominik Koch blieb es vorbehalten, sich bei seinem Heimspiel bei der Stadtkapelle zu bedanken. „Es ist schön, dass wir mit dem Heeresmusikkorps Ulm mal wieder im Badischen zu Gast sein dürfen.“ Er fügte ein Lob an seine „Mannschaft“ an. „Es zählt das Kollektiv in einem Orchester, aber heute blicken wir auch auf einen Einzelnen.“ Gemeint war Harald Weber. Der bedankte sich für eine „tadellose Zusammenarbeit“ bei den Kollegen des Heeresmusikkorps, in deren Reihen man „Klangbäder erfahren darf, die jeden Wellnessurlaub vergessen machen“. Von Michaela Maurer erhielt er ein Weinpräsident und die spaßige Androhung, ihm eine Busreise zu schenken, erwies sich als Scherz – Weber hatte im Gespräch mit der RNZ gesagt, sollte ihm seine Frau eine solche Reise schenken, sei das ein Scheidungsgrund.

Mit einem Streifzug durch bekannte Kinderlieder endete dann ein unvergesslicher Abend. Vor der obligatorischen Zugabe erklangen wohlbekannte Weisen wie „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ oder „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Das besungene Instrument kam, den gesamten Abend verwaist am Rande stehend, jetzt doch noch zum Einsatz, gefolgt von einer besinnlichen Phase mit einer Querflöte, mit der ein Gute-Nacht-Liedchen gespielt wurde. „Wir hoffen, Sie bald wieder in Wiesloch begrüßen zu dürfen“, sagte Michaela Maurer in Richtung Heeresmusikkorps am Ende – das Publikum freut sich bereits jetzt darauf.

Artikel der RNZ , Veröffentlicht am 22. November 2019
Fotos: Helmut Pfeifer