Der Trompeter im Heeresmusikkorps Ulm geht bei der Bundeswehr in Ruhestand – Bundeswehrkapelle spielt am 19. November in Wiesloch

Wiesloch. (hds) „Sollte mir meine Frau jemals eine Busreise schenken, wäre das sicherlich ein Scheidungsgrund“, meinte Harald Weber scherzhaft. Kein Wunder, denn in den zurückliegenden Jahren hat der Oberstabsfeldwebel mit unterschiedlichen Musikkorps der Bundeswehr immerhin nach eigenen Berechnungen „so um die eine Million Kilometer“ in Bussen verbracht.

Am Dienstag, 19. November, hat er hier in der Region seinen letzten Auftritt in den Reihen des Heeresmusikkorps Ulm beim Benefizkonzert im Palatin, im März kommenden Jahres wird er dann die Uniform an den berühmten Nagel hängen. „Dann bin ich 55 Jahre alt und habe das Pensionsalter bei der Bundeswehr erreicht“, meinte Weber im Gespräch mit der RNZ.

Bei den einen geht er, bei der Stadtkapelle Wiesloch, deren Dirigent er seit Jahren ist, wird er allerdings weiter engagiert mitarbeiten, denn neue, zusätzliche Aufgaben warten dort schon auf ihn. „Ich habe gerade erst die Jugendarbeit übernommen“, so Weber. Begonnen hatte seine Musikerlaufbahn bereits mit elf Jahren, als er erste Töne mit der Trompete bei der Stadtkapelle Wiesloch erklingen ließ. Verbessert wurde das Webersche Talent anschließend in der Musikschule Südliche Bergstraße und später studierte er in Düsseldorf Orchestermusik mit Schwerpunkt eben auf seiner geliebten Trompete, um danach zur Bundeswehr zu wechseln. „Wir mussten auch als Musiker zunächst die klassische Grundausbildung absolvieren“, erzählte er. Danach ging es von 1990 bis 2006 zum Heeresmusikkorps nach Ulm, es folgte ein achtjähriger Abstecher nach Karlsruhe, um dann wieder nach Ulm zurückzukehren. „Es war oft so, dass ich morgens noch in Ulm aktiv war und abends in Wiesloch erneut auf der Bühne stand.“ All das wird sich im kommenden Jahr für Harald Weber stressfreier gestalten. „Dann muss ich die Proben mit der Stadtkapelle nicht mehr mit meinem Dienstplan abgleichen“, blickt er zuversichtlich in die Zukunft.

Langweilig werde ihm aber sicher nicht werden. „Klar, es gab bereits Anfragen im Dirigentenbereich und meine Lehrtätigkeit an der Musikschule werde ich weiterhin ausüben.“ Für anderweitige Hobbys war in der Vergangenheit kein Platz in Harald Webers Terminkalender. „Mein Hobby ist eben die Musik“, bekannte er unumwunden.

Die Entscheidung, sich als Musiker bei der Bundeswehr zu verpflichten, hält er in seiner Nachbetrachtung für richtig. Es sei, im Gegensatz zum freien Markt, ein sicherer Job. „Wir waren viel unterwegs, ich war bei nahezu 1200 Konzerten mit dabei und dies in fast jedem Land Europas, aber auch Reisen nach Kanada und in die USA standen auf dem Terminkalender.“ Hinzu kamen noch rund 2400 Auftritte bei den sogenannten „Truppenzeremonien“.

Ende März 2020 ist dann Schluss damit, sehr zur Freude seiner Ehefrau – „ich koche dann mittags“ – und natürlich der Mitglieder der Stadtkapelle, die dann „ihren“ Harald Weber häufiger zu Gesicht bekommen werden. Allerdings kann er seine „eingespielte“ Trompete nicht mitnehmen. „Ich wollte die kaufen, aber das ist aufgrund der bestehenden Vorschriften bei der Bundeswehr leider nicht möglich“, bedauerte er.

Beim Benefizkonzert am 19. November im Palatin wird übrigens Hauptmann Dominik Koch am Dirigentenpult stehen, auch ein Musiker aus der Region, er kommt aus Mühlhausen.

Artikel der RNZ, Veröffentlicht am 9. November 2019
Fotos: Helmut Pfeifer