Harald Weber zauberte ungewöhnlich fesselnde Weihnachtsmusik herbei.

(kob). Als Pfarrer Hafner in der restlos gefüllten Laurentiuskirche das Orchester und alle Zuhörer mit einer Story von Hanns Dieter Hüsch begrüßte, ahnte er wahrscheinlich noch nicht, welche Überraschungen solch ein Adventsprogramm bieten kann. Nichts gegen die althergebrachten Weihnachtsmelodien in einem Adventskonzert – die hörte man, einigermaßen in dem Melodiefluss versteckt, gegen Ende des Abends! - Aber bitte auch keine Einwände gegen Neueres oder weniger Bekanntes aus adventlichem Anlass, gleichviel, ob es ein entsprechendes Namensetikett trägt oder nicht! Allemal bleibt ein großes Erstaunen, wie sich (tadellos gespielte Musik) dem aktuellen Anlass anzupassen vermag. Dabei mag es ruhig ein Geheimnis der Programmgestalter bleiben, wie sie gerade zu dieser aktuellen Stückeauswahl gelangten. Entscheidend ist die (auch von den Titeln unabhängige) Überzeugungskraft der Musikstücke selbst! Und sie verlieh dem Abend mit der Stadtkapelle Wiesloch eine vom Anfang bis zum Ende währende Überraschungsspannung.

Das begann mit der „Lake Washington Suite“ von Zdechlik und völlig neuer Klangstruktur. Sie setzte sich fort mit Edward Elgars „Nimrod“, das zu den seltener gehörten Stücken zählt. Jacob de Haans Name ist Konzertbesuchern sehr geläufig. Von ihm stammte das Stück mit dem Titel „concerto d‘amore“. Ivor Bosankos „Share my Yoke“ (Trag‘ mein Joch mit mir) ist edle geistliche Musik und wurde auch schon von European Brass sehr nobel vorgestellt. An diesem Abend spielte nun Robert Bönisch sehr überzeugend das Flügelhorn. Ja, irgendein Joch haben fast alle zu tragen. Wie wäre es danach mit ein wenig Entr‘acte-Musik von Philip Sparke? Er hat die zurückhaltende Funktion dieser Musik erkannt und überzeugend verwirklicht. Wichtig war natürlich an diesem Abend auch, dass alle Bläsersparten und sonstigen Instrumente der Stadtkapelle gut zur Geltung kamen, denn sie vermochten alle unter dem präzisen, kleine Wunder bewirkenden Dirigat von Harald Weber in gleicher Weise zu überzeugen. Und wer kennt nicht Camille Saint-Saens und dessen Musik vom „Schwan“. Auch er hat ein Weihnachtsoratorium geschrieben, aber es ist weniger bekannt. Der Musikfluss von Frankreich nach Deutschland ist überdies in dieser Sparte etwas gebremst. Außerdem steht das große Bach‘sche Werk mit gleichem Titel dafür im Weg. (Allerdings sind beide Komponisten in keiner Weise zu vergleichen.) Zur Entspannung des Publikums folgte Guido Rennerts weihnachtliche Eröffnungsmusik. Und weil er die richtigen Stimmungstöne findet, folgte gleich noch „Wir freuen uns auf Weihnachten“ des gleichen Komponisten. Nach den Dankesworten des Orchestersprechers sangen alle Besucher noch drei Strophen von „Vom Himmel hoch, da komm ich her...“ Das Konzert war schon ein kleines Stück Himmel!

Beitrag der Wieslocher-Woche (kob) vom 6. Dezember 2018