Bericht der RNZ vom 02.12.2015:

 „Wir liegen mit unserem Termin für das Konzert zum Advent wohl richtig“, meinte der Vorsitzende der Stadtkapelle Wiesloch, Horst Kummerow, beim Blick ins weite Rund der Dreifaltigkeitskirche. Das traditionelle Aufspielen am ersten Adventsonntag hatte zahlreiche Besucher angezogen, die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt und es wurde ein Programm geboten, das eine Mischung aus Bekanntem und Verborgenem beinhaltete. „Wir haben bewusst auf ein klassisches Weihnachtskonzert verzichtet“, begründete der Stadtkapellenchef die vom Dirigenten Harald Weber zusammengestellte Abfolge der Werke.

 

Die Vorbereitungen dazu hätten bereits „direkt nach dem Winzerfest“ begonnen, zahlreiche Proben und akribisches Feilen an den Details hätten dann, so Kummerow, zu dem jetzt präsentierten Programm geführt. Es war eine Auswahl, die eine gelungene Kombination aus Leichtigkeit, Dramatischem und Tiefgründigem in sich vereinte.

 

Zum Auftakt intonierte die Stadtkapelle „Fanfare & Chorus – La Mourisque“ von Dietrich Buxtehude und Tylman Susato, ein Werk, das getragen und doch intensiv wirkt, verknüpft mit einem Hauch von Leichtigkeit. Eine Herausforderung dann der „Feierliche Zug zum Münster“ aus der Wagner Oper „Lohengrin“. Es wurde der Weg der Elsa beschrieben, pointiert die im Werk auftretenden Schwierigkeiten des unseligen Brautzuges dargestellt und von der Stadtkapelle bestens umgesetzt.

 

Ehe es mit einem zeitgenössischen Werk des belgischen Komponisten Charles Michiels weiterging, sprach Pfarrer im Ruhestand Berthold Enz. Er war in Vertretung von Pfarrer Alexander Hafner, der an diesem Tag verhindert war, in die Dreifaltigkeitskirche gekommen. Er leitet auf das Werk über, beschrieb das Stück „Three famous Cathedrals“ als eine musikalische Bereicherung für all jene, die selbst bereits einen Blick auf die stattlichen Gotteshäuser in Abi, Chatres und Amiens in Frankreich geworfen haben. Enz bezeichnete die konzertente Umsetzung als „musikalische Wallfahrt“ und erinnerte in seiner Ansprache an die „bewegte und gefährliche Zeit“, in der man heute lebe. Erfreut zeigte er sich über den „ökumenischen Charakter“ der Adventskonzerte, die jeweils im jährlichen Wechsel in einem katholischen oder evangelischen Gotteshaus stattfinden.

 

Michiels beschreibt jede Kathedrale in sich selbst, die Säulen mit ihrer Wucht aber auch Anmut werden akustisch dargestellt und symbolisieren die Mächtigkeit der gewaltigen Kirchen. Kolossales erhebt sich im Gleichklang mit Verspieltheit und Ehrfurcht.

 

Mit „Praise the Lord“ von Vaclav Nelhybel wurden dem Publikum ein großes Facettenreichtum zum Thema „Lobet den Herren“ dargeboten. Um die klangliche Korrektheit wiederzugeben hatte die Stadtkapelle eigens ein spezielles Glockenspiel gekauft, um eine originalgetreue Wiedergabe des auf Orgelvariationen basierenden Werkes zu gewährleisten. Tempi-Wechsel und Soliparts prägten den Auftritt und die Herausforderung des Gegensätzlichen wurde seitens der Stadtkapelle beindruckend angenommen und gemeistert.

 

Mit „Nimrod“ aus „Enigma Variations“ von Edward Elgar begann der letzte Teil des Konzertes, das mitdem „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck seinen krönenden Abschluss fand. Horst Kummerow hatte sich zuvor beim Dirigenten Harald Weber für dessen tolle Auswahl bedankt, ebenso beim gesamten Ensemble. Der lang anhaltende Beifall vom Publikum unterstrich, dass es Weber mal wieder gelungen war, den musikalischen Nerv der Besucher zu treffen und die Stadtkapelle sorgte einmal mehr für die richtige Umsetzung der anspruchsvollen Vorgabe. Gemeinsam wurde dann noch „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, ein im 17. Jahrhundert in Ostpreußen komponiertes Kirchenlied, gesungen.

 

„Wir werden für das kommende Jahr – dann wird die Stadtkapelle 120 Jahre alt – sicherlich so einige musikalische Überraschungen zu bieten haben“, versprach Horst Kummerow im Vorgriff auf 2016.

  (hds)