Blick ins Palatin (Foto: Pfeifer)Programm des Jahreskonzerts stand ganz im Zeichen des Kriegsendes vor 70 Jahren – Verdiente Mitglieder geehrt

Es war eine emotionale Zeitreise und ein musikalischer Rückblick in jene Tage, als der Zweite Weltkrieg viele Länder erschütterte. 70 Jahre nach Kriegsende hatten die Verantwortlichen der Stadtkapelle dieses Thema für ihr traditionelles Jahreskonzert aufgenommen und rund 400 Besucher im Staufersaal des Palatins zeigten sich beeindruckt. Noch im Vorfeld der Veranstaltung habe man, so der Vorsitzende der Stadtkapelle, Horst Kummerow, „etwas Bauchschmerzen“ gehabt, jedoch gab der Erfolg den Initiatoren Recht.

 

Dirigent Harald Weber hatte bereits vor vielen Wochen damit angefangen, in der Literatur entsprechende Unterlagen zu durchforsten und mit der Zusammenstellung des jetzt präsentierten Programms konnte ein beeindruckender Querschnitt über unterschiedlichste Eindrücke der kriegerischen Ereignisse zusammengestellt werden. Für viele der Besucher war es mehr als eine Erinnerung an jene Tage, sie fühlten sich zurückversetzt und die musikalische Umsetzung des Themas stieß auf großen Beifall. Moderatorin Sandra Goldschmidt hatte verschiedene Bilder zusammengestellt, die zu den jeweiligen Werken eine optische Untermalung boten.

 

Mit „Pictures of Alsac“ von Johan Nijs startete der Nachmittag mit der Jugendstadtkapelle unter Leitung von Karin Seibel, diesmal mit „eigener Ansage“, denn Leonie Fiala hatte diesen Part übernommen. Der musikalische Nachwuchs konnte dabei den Besuchern beweisen, dass man sich mit jedem Auftritt weiter verbessert, mit Herz bei der Sache ist und sich durchaus auch an anspruchsvolle Kompositionen wagt. Alex Poelmanns „D-Day“, von der Stadtkapelle virtuos umgesetzt, führte die Konzertbesucher zurück in jene Tage der Invasion und beim „Geheimnis der weißen Rose“ wurden Erinnerungen an die gleichnamige Widerstandsgruppe, die von 1942 bis 1943 gegen das Naziregime aktiv war, wach gerufen. Mit „The March from 1941“, ein Werk des Komponisten John Williams, unterstrich das Ensemble mit Perfektion und Klangfülle sein Können, um dies bei der Umsetzung der Titelmusik des Films „Schindlers Liste“ eindrucksvoll zu wiederholen. Als Solist trat hier Tobis Hohl mit der Violine auf. Ein Requiem für Soldaten (von Michael Kamen), ein Thema aus der amerikanischen Serie „Band of Brothers“, setzte Gefühle frei und ein Medley von Klaus Doldinger rund um die Titelmelodie des Filmklassikers „Das Boot“ rundete das anspruchsvolle Programm ab.

 

Es war, im Gegensatz zu den vielfältigen Veranstaltungen zum Kriegsende, der mehr als gelungene Versuch, die Vergangenheit und die damit verbundenen schrecklichen Ereignisse mit einer ernsthaften Leichtigkeit dem Publikum nahe zu bringen. Bereits in der Pause brachten dies die Besucher zum Ausdruck. Solistin Christine Groß blieb es dann vorbehalten, mit „Für mich soll es rote Rosen regnen“, eine Hommage an die Mütter darzubieten, an die denn auch Rosen an ihrem speziellen Tag, dem Muttertag, verteilt wurden. Dies kann so gut an, dass – leicht variiert – dieser Titel im Zugabepaket nochmals zu Gehör gebracht wurde. Mächtig ins Zeug legte sich die Stadtkapelle nochmals zum Finale, gemeinsam mit der Jugendstadtkapelle musizierend, beim Stück „Colonel Bogey“. Dieser weltweit bekannte Militärmarsch wurde 1914 vom britischen Militärmusikkapellmeister Kenneth J. Alford komponiert und erlangte viele Jahre später weltweite Berühmtheit im Film „Die Brücke am Kwai“, in dem die Kriegsgefangenen die Melodie des Marsches pfeifen. Das Fazit des Jahreskonzertes: tolle Umsetzung eines sensiblen Themas und wie immer in hoher, musikalischer Qualität dargeboten.

 

Freuen durfte sich übrigens Stadtkapellen-Chef Horst Kummerow nicht nur über den Konzerterfolg, sondern auch über eine Auszeichnung der besonderen Art. Er erhielt den Ehrenbrief und Förderermedaille in Gold mit Diamant des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg für „vorbildliche Tätigkeit zur Förderung der Musik“. Überreicht wurde die Auszeichnung von Helmut Spannagel, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Blasmusikverbandes Rhein-Neckar.

 

 

 

Und es standen noch weitere Ehrungen an. Franz Eppinger wurde mit der Ehrennadel in Gold für 30 Jahre fördernde Mitgliedschaft bedacht, für zehn Jahre aktive Mitgliedschaft in der Stadtkapelle erhielten Peter Goldschmidt, Lars Schneider, und Katharina Werner die Ehrennadel in Bronze. Karin Kubiczek (20 Jahre) und Stephanie Lott (30 Jahre) wurden ebenso ausgezeichnet wir Jutta Goldschmidt und Carsten Mittmann, die jeweils die Ehrennadel in Gold mit Diamanten für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft in Empfang nehmen konnten.

 

Rudi Filsinger erhielt die Ehrennadel in Gold mit Diamanten für nunmehr 60 Jahre aktive Mitgliedschaft in der Stadtkapelle Wiesloch. Der Hornist wurde dann aus dem „aktiven Dienst“ von Kummerow verabschiedet.

 

weitere Bilder zur Veranstaltung

 

Artikel der RNZ - Ausgabe vom 11. Mai 2015

Fotos: Pfeifer