Stadtkapelle Wiesloch und Polizeimusik Basel beim gemeinsamen Musizieren

Das Doppelkonzert der Stadtkapelle Wiesloch gemeinsam mit der Polizeimusik Basel gestaltete sich, um es vorweg zu sagen, zu einer Sternstunde der Blasmusik. An dieser Sternstunde in Wieslochs guter Stube, dem sehr gut besuchten Staufersaal im PALATIN, waren sowohl die Musikerinnen und Musiker der Polizeimusik Basel als auch die ca. 60 Musikerinnen und Musiker starke Stadtkapelle Wiesloch gleichermaßen beteiligt.


Das Konzert begann mit vier Musikstücken der Jugendstadtkapelle Wiesloch unter ihrer bewährten Dirigentin Karin Seibel. Unter anderem mit den Stücken „Alexanders Ragtime Band“, „Goldfinger“ und „I am believer“, stimmten die jungen Musiker und Musikerinnen gekonnt auf das folgende Programm ein. Bei der Jugendstadtkapelle sind die Fortschritte spür- und vor allen Dingen hörbar. Ein Verdienst der dynamischen Karin Seibel.

Das Doppelkonzert im PALATIN war eine Wiederholung des am 16. April 2011 im Stadtcasino Basel stattgefundenen „Jahresfeierkonzertes“. Die Musikerinnen und Musiker beider Orchester sowie ihre musikalischen Leiter haben sich aber gegenüber den Darbietungen in Basel nochmals gesteigert.

Die Zusammenarbeit mit der Polizeimusik Basel ging auf Kontakte zurück die der Wieslocher Dirigent Harald Weber im Rahmen des Blasmusikfestivals „Basel Tattoo“ im Jahr 2009 geknüpft und danach vertieft hat.

Das Doppelkonzert stand unter dem Motto „Charlie Chaplin meets Godzilla“ und wurde von den Verantwortlichen der Stadtkapelle Wiesloch als spektakuläres Ereignis angekündigt.

Schwungvoll und mit majestätischer Pracht wurde dann das erste Stück der Stadtkapelle, der Krönungsmarsch von Peter I. Tschaikowsky dargeboten. Mit einer stets den Erfordernisse des Stückes entsprechenden Dynamik, sowohl bei Forte oder Fortissimo als auch insbesondere bei Piano und Pianissmo ließen Harald Weber und sein Orchester schon erahnen, dass sie an diesem Abend „gut disponiert“ und sehr gut vorbereitet waren. Das Tongemälde „Under Cover of Night … Into the Light of Day“ des amerikanischen Kompononisten Steven Melillo, der völlig neue Klangfarben für Blasorchester in seinen Kompositionen geschaffen hat, wurden die Empfindungen und Träume eines Menschen und seine Gefühle bei Tagesanbruch eindrucksvoll beschrieben. Der erste Höhepunkt in diesem Konzert. Was Harald Weber und seine Musikerinnen und Musiker hier an Interpretation des Melillo-Werkes boten, war bewundernswert.

Beim nächsten Stück, der Darbietung des Minimusicals „Godzilla eats Las Vegas“ von Eric Withacre, war zunächst Erstaunen und dann Begeisterung beim Publikum zu spüren. Die Art und Weise wie die Stadtkapelle Wiesloch diese Geschichte vom Überfall des Monsters Godzilla auf das lebenslustige Las Vegas in Musik, Gesten und Showelementen interpretierte war für das Publikum höchst spektakulär und beeindruckend. Unterstützt von der von Martin Waibel erstellten Bildpräsentation war die Handlung allzeit präsent und die Spannung deutlich spürbar. Alle Musikerinnen und Musiker waren gefordert, wobei als Register vor allen Dingen das sehr gut zusammengesetzte und sehr gut disponierte Schlagwerkensemble der Stadtkapelle hervorzuheben ist. Aber auch die Solistenstellen bei Klarinette, Flöte, Oboe, Saxophon und Trompete zeugten von einer sehr hohen musikalischen Kultur. Das war der Höhepunkt dieses Konzertes. Mit diesem Stück wird die Stadtkapelle, wenn es denn noch einmal aufgeführt werden sollt,e wiederum für Furore sorgen.

Mit der Aufführung der Komposition „Danzon No. 2“ von Arturo Marques zeigten Harald Weber und sein Orchester dann nochmals ein äußerst anspruchsvolles Orchesterwerk, in dem wiederum alle Register, ganz besonders aber Daniela Herbst (Klarinette), Sandra Goldschmidt (Oboe), Robert Bönisch (Trompete) und, als Gastmusikerin Brigitte Becker von der Musikschule Südliche Bergstraße am Klavier gefordert und ihre Solis mit Bravour dargeboten haben. Mit dieser Komposition zeigten Harald Weber und sein Orchester dann nochmals dass nicht nur das spektakuläre sondern auch das tiefergehende, das stille in der musikalischen Darbietung mit einem so großen Orchester möglich ist. Zum Gelingen der beiden Hauptwerke hatten, neben den Stammmusikern noch Ute Roth am Kontrabass und Dominik Schöttler am Synthesizer und E-Bass sowie als Operator der Präsentation bei Godzilla ihren wesentlichen Beitrag geleistet.

Schlusspunkt im offiziellen Programmteil der Stadtkapelle war nochmals etwas ganz spektakuläres. Mit der Titelmelodie „Gonna fly now“ aus dem Film „Rocky“ zauberte die Stadtkapelle und ihr Solotrompeter Thomas Sturm sowie Jürgen Kutsch (Es-Alt-Saxophon) dann nochmals eine ganz rockige und insbesondere durch den Solotrompeterpart für ein Blasorchester außergewöhnliche Klangfarbe in den Staufersaal des PALATIN. Der Saal tobte, so dass Harald Weber mit einer Swingbearbeitung der „Tulpen aus Amsterdam“ um eine Zugabe nicht herum kam.

Die geehrten Mitglieder mit Herbert Müller (l.), Vorsitzender des Blasmusikverbandes Rhein-Neckar, und 1. Vorsitzendem Sven Kummerow (r.)Im Programmteil der Stadtkapelle wurden von Herbert Müller, dem Vorsitzenden des Blasmusikverbandes Rhein-Neckar, langjährige Mitglieder geehrt: Norbert Bönisch für vierzigjährige Musikertätigkeit, Sandra Barth und Alexander Hamann für zwanzig Jahre und Bettina Hofstätter für zehn Jahre.Teil eins der Sternstunde hatte einen überraschend positiven Verlauf genommen.

Das Konzert wurde dann nach einer Pause, in der viel gelobt und diskutiert wurde, von der Polizeimusik Basel unter ihrem Dirigenten Bernhard Winter mit der „Ouverture for Winds“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy fortgesetzt. Mit dieser Ouverture zeigten die Basler dass sie ebenfalls sehr gut mit hervorragenden Musikern besetzt sind. Mit einem wunderschönen aber für das Orchester nicht minder anspruchsvollen Medley über Melodien aus Filmen mit dem unvergessenen Charlie Chaplin zeigten sich Bernhard Winter und seine Musikerinnen und Musiker ebenso versiert in der musikalischen Sprache der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts und brachten einige Ohrwürmer zum Vortrag. Damit war auch das Motto des Konzertabends „Charlie Chaplin meets Godzilla“ erfüllt. Mit der Komposition „Hajj“, einer Geschichte über einen Pilgergang nach Mekka, ebenfalls von Steven Melillo, fand das Konzert einen weiteren blasmusikalischen Höhepunkt. Mit einem mit vielen Solisteneinlagen gespickten und vom Publikum trotz fortgeschrittener Zeit mit großer Begeisterung aufgenommenen Medley mit Melodien von Glenn Miller sowie zum Abschluss den Florentiner Marsch von Julius Fucik war auch der musikalische Part der Polizeimusik Basel beendet.

Gemeinsam brachten beide Orchester dann noch das Badner Lied, was von den Besuchern stehend mit großer Begeisterung mitgesungen wurde, und eine deutsche Zapfenstreich-Bearbeitung als Zugabe zu Gehör, womit eine Sternstunde der Blasmusik stilvoll ihren Abschluss fand. Mit zum Gelingen des Konzertabends trug auch die sehr gute Moderation von Sandra Goldschmidt bei.

Man darf gespannt sein auf die folgenden konzertanten Auftritte der Stadtkapelle Wiesloch etwa beim Stadtfest Wiesloch Anfang Juli oder beim Kirchenkonzert am Abend des ersten Advent in der Laurentiuskirche in Wiesloch. hkw

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